Artur Marek Wójtowicz

Meine Texte

Berufener?

An einem Abend im Juli wartete vor dem Franziskanerkloster ein fast zwanzigjähriger Bursche. Er hatte eine graue Bluse mit einer Kapuze angezogen. Durchnässt und verfroren stand er zwischen den Pfützen. Aus seinen lockigen Haaren flossen die Regentropfen . Er war ein bisschen nervös, weil er schon lange geklopft hatte, aber niemand die Türe öffnete. Es war die Zeit der Abendandacht im Kloster. Nach einer halben Stunde öffnete ein Klosterbruder die Türe und gab diesem Jungen ein Zimmer. Der hoffnungsvolle Junge war neugierig auf das Leben im Kloster und ging deshalb in die Klosterzelle . Als der Guardian kam, stellte er sich als Maximilian vor. Der bescheiderne Junge sagte auch, dass er in diesem Kloster weiter leben möchte. Seine Engagement war groß, aber auch den Guardian hatte viel Erfahrung. Deshalb sagte der alte Mönch, dass am besten wäre, wenn dieser Junge in diesem Kloster eine Probezeit machen würde. Die Entscheidung komme mit der Zeit. Ich weiß nicht , wie diese Probezeit aussah. Viele Historiker sagen, dass nach Ablauf dieser Zeit der Guardian den jungen Maximilian gerufen und ohne Erklärung weggeschickt habe. Ohne ausreichenden Grund sagte er zu ihm:” Du musst weggehen.” Der Junge hatte noch um eine Chance gebeten, aber der Abt war unerbittlich und hat Maximilian die Türe gewiesen. Der Junge wurde ausgegestoßen, aber zum Schluss hatte er noch geschrien: „... Herr Guardian, heute bitte ich, aber es wird die Zeit kommen, dass nicht ich dich, sondern du mich bitten wirst!!!...”.

Und die Zeit kam. In den nächsten Jahren beugte ganz Frankreich vor diesem Mann das Knie. Besonders die ganze französische Aristokratie. Und heute ist er in Paris begraben. Auf dem ältesten und bekanntesten Friedhof — Pére lachaisé. Auf seinem Grab, das mit den schönsten Rosen umgeben ist, hat jemand geschrieben: Lieber Tourist, du sollst nicht diese Person beweinen. Wenn er leben würde, wärst du tot.

***

Wer war dieser Junge, vor welchem Millionen Angst hatten? Wer war dieser, bei dessen gräulichen Stimme die französischen Bauern das Knie beugten?

Monsieur Robespierre — der Gründer der französischen Revolution.

In den Jahren nach diesem Gespräch mit dem Guardian, beendete Maximilian de Robespierre das Zivilgesetz und wurde zum Hauptankläger beim Kriminaltribunal in Paris ernannt. Obwohl er schon erwachsen war, dachte er sehr oft an diese komische Situation. Er erinnerte sich immer an diesen Tag. Er war doch brutal aus dem Kloster vertrieben worden. Vor vielen Jahrhunderten sagte Nestorius diese Worte, die damals Maximilian wiederholen sollte: „...Niemand sagte mir, wo meinen Fehler lag. Sie haben mir einen Schein gegeben, ich konnte ihn nicht unterschreiben, deshalb haben sie mich fortgeschickt ...”.

Während vieler Jahren sagte er, dass er die großen Schmerzen nicht hätte, weil er weggeschickt worden wäre, sondern, dass niemand ihm gesagt habe, warum.

Als er Gründer der französischen Revolution geworden war, übertrug sich sein ganzer Zorn auf das Bürgertum und die Priester. Er freute sich an Madame la Guillotine, die (wie er sagte ) am besten für seine Feinde sei. Er wusste jedoch noch nicht, dass er seine letzten Tage an ihrem Rand verbringen würde.

Als er im Juli 1794 in einem Leiterwagen zu seiner Hinrichtung gefahren wurde, hatte niemand zuvor so ein frohes Volk in Frankreich gesehen . Vielleicht gleichzeitig warteten im Gefängnis in Paris 2 000 Bauern auf ihren Tod . Wegen seines Todes wurden sie frei gelassen. Vor der Guillotine sagte ein Henker nach Kajafas: „... Es ist besser, wenn ein Mensch für das Volk stirbt und nicht das ganze Volk zu Grunde geht ...” (J 11, 50).

Ein unwillkommener Mönch voller Zorn war der Grund für den Tod Ludwigs XVI. und seiner Frau. Das Franziskanerkloster wurde bis auf die Mauern niedergebrannt und dieser Guardian versteckte sich oder war tot.

Du musst weggehen - das hat für Robespierre wie ein Refrain geklungen und vielleicht jetzt auch für diesen Guardian.

Wäre die Geschichte anders geworden, wenn de Robespierre im Kloster aufgenommen worden wäre? Oder hätten wir vielleicht einen „Mönch — Diktator”? War Maximilian eine berufene Person? Die Historiker sagen, dass er ein unbestechlicher Typ und dazu skrupellos gewesen war. Persönlich bin ich der Meinung, dass wir die Antworten auf diese Fragen unter dem geschichtlichen Staub suchen können. Und jetzt bekommt niemand die Antworten auf die hängigen Fragen aus dem XVIII. Jahrhundert.


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