Arthur Marek Wójtowicz

Marienkult in der viersprachigen Schweiz

Ein Gespräch mit dem Pater Reinhard Mattle SAC

Artur Marek Wójtowicz: Pater Mattle , seit ein paar Monaten schreiben sie in Artikeln für die Redaktion "Ferment" über kleinere aber doch wichtige Marienwallfahrtsorte. Was bewegte Sie, über dieses Thema zu schreiben. Ist die Marienverehrung in der Schweiz verbreitet oder nicht?

P. Reinhard Mattle SAC: Oh ja, die Schweiz kennt eine starke Marienverehrung. Das zeigt z. B. die Vielfalt der Maria geweihten Kirchen und Kapellen, die gerne aufgesucht werden, vor allem in den Monaten Mai und Oktober. Sicher in den letzten Jahrzehnten - als Folge des Schwündes an Glauben und Leben - ist sie zurück getreten. Auch die Verehrung ist nüchterner geworden, auch mehr auf Christus ausgerichtet, was ja vor Übertreibung des Marienkultes bewahrt.

AMW: In der Schweiz gibt es vier Sprachen und dazu hat jeder Kanton seine spezielle Mentalität. Meinen Sie, dass sich der Marienkult in der ganzen Schweiz auf gleichem Niveau befindet? Oder ist z. B. die deutschsprachige Schweiz nüchterner, emotionsloser als die Italienische oder Französische?

RM: Jede Sprache ist Ausdruck der Mentalität, der einem Volke eigene Kultur, die sich in Sprache, Gesten, Emotionen ausdrückt. Die Marienverehrung in der Schweiz ist lebendig, nicht blutleer. Aber die Gläubigen, der italienischen, französischen und romanischen Sprache bringen mehr Spontanität, Emotionen, Erdverbundenheit, fast Überschwangein als die Deutschsprachige.

AMW: Gibt es im Bistum St. Gallen auch bekannte Marienwallfahrtsorte? Wenn "ja" - dann welche, wenn "nein" - warum?

RM: Ja, in der Diözese St. Gallen gibt es drei bekannte Wallfahrtsorte: "Maria Hilf in Haslen" - diese Wallfahrt erlebte in den letzten Jahren eine neue Blüte, vorallem durch Pfarrer Franz - Xaver Mäder. "Maria Bildstein" - Maria wird dort als die Schmerzensmutter verehrt. Sodass der Ort vor allem von Gläubigen, die Leid, Krankheit, Probleme zu tragen haben, aufgesucht wird. "Maria von den drei Brunnen" - der belibteste Ort im Bistum. Maria wird als Brunnen lebendigen Wassers verehrt. Das grösste Fest wird an Maria Heimsuchung (2 Juli) gefeiert. Vor 10 Jahren ist ein neuer Marienort entstanden. Eine kleine Kapelle, die weit draussen im Felde steht und dahier Maria im Riet genannt wird. Sie ist durch die Unternehmungsfreude dreier Laien entstanden (ohne vorhausgehendes Wunder oder einer Erscheinung) trägt den Namen "Maria Knotenlöserin" und wird von vielen Menschen das ganze Jahr hindurch besucht.

AMW: Es ist auch interessant, dass sich im bekanntesten Mariensanktuarium in Polen ein Bild der "Schwarzen Madonna" befindet. Hier in der Schweiz gibt es das gleiche Sanktuarium in Einsiedeln, wo wir kein Bild sondern eine Figur der "Schwarzen Madonna" sehen. Kennen Sie vielleicht die Legenden oder Geschichten, warum diese Madonna von Einsiedeln auch schwarz ist? Das ist doch eine schöne Parallele, nicht wahr?

RM: Es ist eine schöne Pararelle fürwahr! Doch die Entstehung der Schwarzen Madonna von Einsiedeln kennt keine Legenden. Sie wurde einfach im 1798 schwarz angemalt, weil sie durch Kerzen, Rauch und Russ (Brand) fast schwarz war. So bekam die Statue ihren Glanz und neuen Namen.

AMW: Und hier schon letzte Frage. Gibt es in der Schweiz Marien-Andachten oder Rosenkränze in der Kirche oder orientieren sich die Menschen., die hier wohnen, mehr am Dreifaltigen Gott wie in Deutschland?

RM: Auch die Schweizer kennen die Marienandachten (besonders im Mai und Oktober) beten wöchentlich in der meisten Kirchen den Rosenkranz, allerdings nicht so häufig wie vor dem Konzil. Es gibt da noch die persönliche Marienverehrung, die eben eigene Formen findet. Auch pflegen einige Orden (z. B. Pallottiner) und neue Bewegungen eine ausgeprägte Merienverehrung. Maria steht im Zentrum des Glaubens, aber ist nicht das Zentrum. Also eingebettet in die Theologie der Trinität, der Christologie.

AMW: Herzlichen Dank für dieses Gespräch.


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