Artur Marek Wójtowicz

Meine Texte

Die Vergebung durch die Perspektive des Kreuzes

Dieses Jahr war für mich eine besondere Zeit. Ich dachte viel über den Sinn der Vergebung nach. Ich will hier keine theologische Theorie erstellen, ich möchte lieber meine Gedanken zeigen, die aus meinem Herzen kommen.

Die Verzeihung war das Hauptthema meiner Überlegungen. Vielleicht war der Grund mein Leben mit den Erfahrungen, die damit verbunden waren. Manchmal denke ich, dass sich nicht so leicht eine Antwort zu diesem Thema finden lässt. Man muss dieses Thema erfühlen und erleben. Ich meine auch, dass dieses Thema uns wirklich zeigt, ob wir die reife Christen sind. Ob wir vor den Spiegel stehen, uns anschauen und sagen können: „Ich bin ein echter Christ.“ Ich will nicht Lehrer sein, ich möchte nur meine Gedanken mitteilen.

Wer braucht die Verzeihung? Ich oder mein Mitmensch?

Was gibt uns die Verzeihung?

Ich denke, dass jeder, dem verziehen wird, innerliche Ruhe und Freude bekommt. Er weiss, dass er sein Leben wieder neu aufbauen kann. Er kann wieder neue Kontakte knüpfen. Er fühlt sich erleichtert. Die Verzeihung ist wie eine psychische Befreiung von seinen Problemen. Der Vergebende ist wie ein Monarch, der Amnestie gewährt. Er zeigt zwar, dass er Macht über die Anderen hat, aber nicht nur. Er zeigt etwas mehr, dass er das Güte zeigen kann. Ich glaube, dass der Vergebende in diesem Moment Grösse zeigt. Er kann gerecht sein.

„Verzeih mir” — sagt jemand. Dieser Mensch kommt demütig und bittet um Verzeihung. Das ist für ihn wichtig, also weiss er wahrscheinlich, dass er schuldig ist.

„Ich verzeihe dir” – sage ich. Diese drei Worte sind die Antwort auf seine Bitte. Die drei Worte zeigen, dass ich ihn verstehe. Das ist aber nur dann möglich, wenn ein Mensch spürt, dass er schuldig ist. Denn die Verzeihung schafft eine Verbindung zwischen beiden. Die Vergebung ist eine Gabe.

Aber was passiert, wenn die schuldige Person nichts bedauert? Jesus sagte, dass wir nicht 7 Mal sondern 77 Mal verzeihen sollten. Das ist wahr, aber gerade im nächsten Vers sagte er, dass ein schuldiger Mensch bedauern sollte. Also sah das der Evangelist ähnlich wie ich. Mit der Verzeihung ist es genauso wie mit der Beichte. Es ist schwierig sich vorzustellen, dass jemand käme und sagte: „Das sind meine Sünden, aber ich bereue sie nicht und möchte um Vergebung bitten ”. Wenn er nicht bereuen kann wozu kam er dann? Oder anders ausgedrückt, wenn er nicht bereut, warum erwartet er Vergebung ohne sie zu brauchen.

Am Karfreitag war ich in der leeren Kirche und dachte über dieses Thema nach. Jesus vergab doch die Schulden derer, die ihn kreuzigten, obwohl sie über ihn lachten. Warum? „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Eben ..... weil sie nicht wussten, was sie taten. Deshalb konnten sie ihre Taten auch nicht bereuen. Jemand, der überzeugt ist, dass er alles gut macht, braucht meine Vergebung nicht. Vielleicht denkt sein Umfeld genauso. Vielleicht handelt er unbewusst.

Ich verzeihe ihm, weil ich mich über sein Tun stelle. Obwohl er das vielleicht nicht will, mache ich es trotzdem. Wir hören manchmal, dass ein Kluger einem Dummen verzeihen kann. Vielleicht ist er nicht klüger, aber reifer.

Mehr kannst du nicht machen. Jetzt bist du rein.

Nach dem II. Vatikanischen Konzil an der katholischen Uni in Lublin feierte ein alter Professor die Heilige Messe nach dem alten Ritual - mit dem Rücken zum Volk. Seine Bekannten fragten ihn warum er das machte. Warum wollte er sein Gesicht nicht den Leuten zeigen? „Wenn jemand mit dem Gesicht zum Volk stehen will muss er zuerst ein Gesicht haben“, antwortete der Professor. Manchmal sollten auch wir vor den Spiegel stehen und uns betrachten.

Vielleicht verzeihe ich deshalb jemandem, der mich verschmäht. Vielleicht, weil ich ein sauberes Gewissen haben will. Vielleicht treffe ich diese Person nie mehr, trotzdem verzeihe ich ihr, weil ich dadurch einen Kontakt mit Gott knüpfen kann.: „Vater verzeih ihm… ”.

Vielleicht knüpfe ich diesen Kontakt auch zu einem Mitbruder, der mich sehen würde

?

In ihm erkenne ich ein Gesicht Gottes. Verzeihen heisst, vor Gott und den Menschen zur Wahrheit zu stehen. Verzeihung erwarten heisst, auf Gott warten, der in anderen Menschen zu uns kommen kann.

Brauche ich die Vergebung? Vielleicht stellen wir uns manchmal diese Frage. Die Antwort bekommen wir dann, wenn wir diese Frage mit einer anderen verbinden. Brauchen wir Liebe? Wenn wir auf diese Frage die Antwort fänden, verstünden wir auch den Sinn der Vergebung.

Manchmal können wir etwas nicht verstehen, aber mit Liebe erscheinen viele Dinge klarer.


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