|
Ich denke, dass jeder in seinem Leben Momente hat, in denen er an seine Vergangenheit denkt. Vielleicht ist jetzt die richtige Zeit für mich eine Reflexion zu machen, wie ich mein Leben verbracht habe. Wie ein Schnellzug fahren vor meinen Augen Bilder und Situationen aus Schulzeit, Abitur und Studium, von Plänen und Lebenszielen vorbei. Die Familie, Verwandte und Freunde. Die ganze Welt.
Die Reflexion hilft uns, unsere verlorenen Träume wieder zu finden und zerstörte Brücken wieder aufbauen zu können.
Vor Gott müssen wir keine Schauspieler sein. Er kennt uns zu gut. Er schätzt es, wenn wir uns selbst sind und nicht, wenn wir uns verstellen. Er mag unsere Individualität. Deshalb ist die Reflexion, die mit dem Gebet verbunden ist, objektiv und echt. Die Reflexion mit jemandem, der obiektiv ist, zeigt uns die Wahrheit. Also mit Gott, weil nur eine Begegnung mit Gott wahr ist.
Der Heilige Vinzenz Pallotti schrieb: „Ruhe bereitet uns für das Gebet vor. Die Ruhe, mit dem Gebet verbunden, führt uns zu Gott...„.
Ruhe und Gebet sollten also zusammen gehören. Ich denke oft an die Worte des polnischen Schriftstellers Adam Mickiewicz: „Stärker als beim Gespräch spricht Gott mit uns in der Stille. Wenn wir ruhig wären würden wir ihn hören.“ Diese Stille ist ein Raum wo wir Gott finden können. Das ist wie das Einverständnis von Gott für unsere Reflexion.
Ein Weg zum Glauben ist ein Weg zu Gott durch die Reflexion, wo wir ihn finden können. Gott, der Barmherzige, will nicht Richter über uns sein sondern uns helfen. Durch die Reflexion richten wir selbst über uns. Er will uns auch nicht zeigen wie viel Zeit wir verloren haben sondern wie viel Zeit uns zu nutzen bleibt. Der Moment des Todes ist für uns die letzte Chance um zu Gott „JA“ zu sagen, genau wie der Verbrecher am Kreuz zu Jesus stand und nicht zu seiner Vergangenheit.
Ein Weg zum Glauben ist (nach den Worten des Heiligen Vinzenz Pallotti) ein Weg die Liebe Gottes kennen zu lernen. Das ist ein Prozess Gott verstehen zu können. In dem wir seine Liebe, für uns am Kreuz zu sterben, auch verstehen können. Dafür brauchen wir etwas mehr als nur Logik. Der Mensch will seltsamerweise oft viele Sachen definieren. Er will viele Pläne machen und alles organisieren. Ist also die Reflexion eine Möglichkeit die Vergangenheit zu erobern? Ich meine, dass diese Zeit mehr kreativ als destruktiv ist.
Der Selige Arnold Janssen sagte einmal: „...in den Herzen wo viel Lärm ist will der Heilige Geist nicht wohnen...”. Ohne den Heiligen Geist und seine Hilfe ist unsere Reflexion sinnlos. Ohne ihn wäre sie nur ein Replay, das uns entschuldigen würde. Nur er gibt uns die Möglichkeit die Wahrheit, also Gott, kennen zu lernen.
Vor ein paar Monaten hielt ich eine Predigt in St. Gallen in der ich sagte, dass wir Menschen wirklich Spezialisten seien, aber.... nur um uns selbst zu entschuldigen. Wir finden immer wie Machiavelli ein Opfer und dann ist alles erledigt. Es ist genauso wie wenn ein Professor heute den Studenten sagen würde, dass weiss weiss und morgen, dass weiss schwarz wäre. Wenn die Studenten ihn fragen würden, warum er zuerst etwas anderes sagte, würde er antworten: „Es interessiert mich nicht mehr, was ich gestern Dummes gesagt habe.“
Wir suchen oft Schuldige, weil wir Angst haben die Wahrheit zu sehen oder zu hören.
Vor ein paar Tagen sah ich wie in St. Gallen Menschen alte Papiere lasen. Ich fand auf einem Stapel viele französische Bücher und zwischen ihnen auch die Bibel. Seltsam, auf der einen Seite haben wir das Jahr der Bibel auf der anderen finde ich die Bibel in der Mülltonne. Die Bibel ist unsere Quelle. Diese Quelle kommt von Gott. Die Menschen wollen diese Worte im XXI. Jahrhundert nicht mehr hören, weil die Bibel uns zur Reflexion führt. Manchmal haben wir auch Angst eine Reflexion zu machen. Aber Gott will trotzdem jeden Tag mit uns sprechen. Er will uns helfen um unser „JA“ zu hören.
Mein Freund aus dem Wallis zeigte mir einmal eine Foto mit Wurzeln und fragte mich: „Und du? Wo hast du deine Wurzeln?“
![]() |
?