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An einem Abend im Juli wartete vor dem Franziskanerkloster ein fast zwanzigjähriger Bursche. Er trug eine graue Bluse mit Kapuze. Durchnässt und verfroren stand er zwischen den Pfützen. Aus seinen lockigen Haaren flossen Regentropfen. Er war ein bisschen nervös, weil er schon lange geklopft hatte, aber niemand die Türe öffnete. Es war die Zeit der Abendandacht im Kloster. Nach einer halben Stunde öffnete ein Klosterbruder die Türe und gab diesem Jungen ein Zimmer. Der hoffnungsvolle Junge war neugierig auf das Leben im Kloster und ging deshalb in die Klosterzelle. Als der Guardian kam, stellte er sich als Maximilian vor. Der bescheidene Junge sagte auch, dass er in diesem Kloster weiter leben möchte. Seine Engagement war groß, aber auch der Guardian hatte viel Erfahrung. Deshalb sagte der alte Mönch, dass es am besten wäre, wenn dieser Junge in diesem Kloster eine Probezeit machen würde. Die Entscheidung komme mit der Zeit. Ich weiß nicht, wie diese Probezeit aussah. Viele Historiker sagen, dass nach Ablauf dieser Zeit der Guardian den jungen Maximilian gerufen und ohne Erklärung weggeschickt habe. Ohne ausreichenden Grund sagte er zu ihm:" Du musst weggehen." Der Junge hatte noch um eine Chance gebeten, aber der Abt war unerbittlich und wies Maximilian die Türe. Der Junge wurde ausgestoßen, aber zum Schluss hatte er noch geschrien: "... Herr Guardian, heute bitte ich, aber es wird die Zeit kommen, dass nicht ich dich, sondern du mich bitten wirst!!!...".
Und die Zeit kam. In den nächsten Jahren beugte ganz Frankreich vor diesem Mann das Knie. Besonders die französische Aristokratie. Und heute ist er in Paris begraben. Auf dem ältesten und bekanntesten Friedhof - Pére lachaisé. Auf seinem Grab, das mit den schönsten Rosen umgeben ist, hat jemand geschrieben: Lieber Tourist, du sollst diese Person nicht beweinen. Wenn er leben würde, wärst du tot.
Wer war dieser Junge, vor welchem Millionen Angst hatten? Wer war dieser, bei dessen gräulichen Stimme die französischen Bauern das Knie beugten?
Monsieur Robespierre - der Gründer der französischen Revolution..
Während vieler Jahren sagte er, dass er nicht solch große Schmerzen hätte, weil er weggeschickt worden wäre, sondern weil niemand ihm gesagt habe, warum.
Das ist nur eine Geschichte, aber jede Geschichte hat einen Sinn. Menschen und Orte wechseln, die Schema bleibt. Ich meine, dass ich für die Gemeinschaft in Gossau nicht wie Robespierre war, weil ich keine Reformen machen wollte.
Vor fast zwei Jahren kam ich hierher mit der Absicht, als Pallottiner zu arbeiten. Das erste Jahr war ich in Gossau und habe ich die Sprache gelernt. Das war die Zeit, als ich diese Gemeinschaft kennen lernen konnte und die Gemeinschaft mich. Nach einem Jahr besuchte ich den Pastoralkurs in St. Gallen und arbeitete an der Pfarrei St. Otmar. Ich bin dankbar, dass ich diese Möglichkeit bekam. Die Praktikumzeit gab mir viele neue Erfahrungen.
An dieser Stelle möchte ich mich herzlich beim Pater Provinzial bedanken für alle diese Möglichkeiten, die mir die schweizerische Provinz gab. Ich durfte hier den Pastoralkurs besuchen, die Sprache lernen, den Führerschein erhalten und die schweizerische Mentalität besser kennen lernen. Die Zusammenarbeit mit dem Pater Provinzial im Internat machte mir viel Freude und bereicherte meine Erfahrungen mit Menschen. Das sind viele Dinge, für die ich wirklich dankbar bin.
Während des letzten Monates arbeitete ich auch in der Bibliothek, dafür bin ich auch Pater Adrian Willi dankbar.
Die Gemeinschaft bot mir auch oft die Gelegenheit, diese Mentalität kennen zu lernen.
Nach beinahe zwei Jahren meines Aufenthaltes in der Schweiz kann ich wirklich sagen, dass ich alle Möglichkeiten nutzte, die mir die schweizerischen Pallottiner für meine Entwicklung angeboten haben. Ich hatte genügend Zeit meine Diplomarbeit gut vorzubereiten und die Note war: sehr gut. In der Bénédict - Schule konnte ich deutsch lernen und bekam auch die Note: sehr gut. Ebenso bekam ich letztlich auch den Führerschein. Zuletzt beendete ich den Pastoralkurs. Jede Chance, die ich erhielt, habe ich gut ausgenutzt. Ich bin froh, nach allem guten Gewissens vor dem Spiegel stehen zu können.
Es gibt aber auch Dinge, die ich nicht verstehe oder nicht verstehen kann.
Probleme entwickelten sich dann, wenn Erwartungen an mich gestellt wurden, ohne dass ich Hilfe von irgendwelcher Seite erhielt. Es irritiert mich, wenn jemand kein Interesse hat, mich kennen zu lernen, aber bemängelt, dass ich unbekannt bin. Noch schlimmer empfand ich es, wenn ich mit manchen Leuten sprach, sie mich aber trotzdem nichts Näheres über mich erfahren wollten. Wer ist schuld? Es gibt verschiedene Menschen mit verschiedenen Charakteren. Ein Vorteil wäre, wenn die Leute miteinander reden würden. Probleme entstehen dann, wenn sie nicht miteinander reden wollen. Ich bin keine Ballerina, die vor Publikum tanzt, um die "Zuschauer" von Friedberg zu unterhalten. Ich bin nur ein Mensch, der an die göttliche und christliche Liebe glaubt. Das Wort Arbeit beim Begriff Integration bedeutet, dass sich beide Seiten engagieren sollten, nicht nur eine.
Seit September 2002 war ich an der Pfarrei St. Otmar in St. Gallen. Bis Juni 2003 besuchte mich niemand aus Gossau an dieser Pfarrei um zu schauen wo ich arbeite. Vielleicht wissen manche Mitbrüder bis heute nicht, an welcher Pfarrei ich war. Es ist wirklich interessant, dass mich bis das ganze Jahr niemand angerufen und gefragt hat: "Wie geht's?", obwohl ich regelmässig in Gossau war. Braucht man überhaupt junge Mitbrüder in der schweizerischen Provinz, wenn niemand Interesse an ihnen hat?
Ich hörte nach zwei Jahren, dass mich die Provinz nicht in die Arbeit in der Schweiz einzuführen kann, weil kein Personal dafür vorhanden ist. Das klingt für mich ein bisschen widersprüchlich. Für diese Begründung braucht man keine zwei Jahre. Wenn die Provinz während zwei Jahren die Leute hatte, um mich einzuführen, warum hat sie jetzt keine mehr? Aber wenn während dieser Zeit schon niemand zur Verfügung war, warum sagt man mir dies erst heute? Für was oder wofür war diese Zeit? Habe ich mich praktisch vorbereitet (Sprache, Praxis, Erfahrungen, Integration usw.) um nach Polen zurück zu gehen? Ich bin enttäuscht und kann nicht verstehen, wenn man mir sagt: "Du hast gut gearbeitet, wir sind froh, dass du bei uns bist, aber wir geben dir keine Chance für deine weitere Entwicklung. Wir schätzen dich, aber du musst zurück gehen."
Der zweite Vorwurf, den ich hörte, war, dass ich mehr polnisch als schweizerisch bin. Das ist doch nur logisch. In Polen lebte ich 26 Jahre, in der Schweiz jedoch nur 2 Jahre. Wenn jemand erwartete, dass aus einem Ausländer nach 2 Jahren ein Schweizer werden könnte, glaubte an ein Wunder. Das ist normalerweise nicht möglich. Ich denke, dass das niemand schaffen könnte. Aber wenn jemand dies versuchte, müsste er in Polen einen Schweizer finden und mitbringen. Dann wäre die Integration kein Problem.
Ich kann auch nicht verstehen, warum regelmäßig in meinem Zimmer die Putzfrau meine Schränke kontrollierte und ein Mittbruder liess meine Briefe. Diese Sachen sind für mich nicht nur komisch sonder schon tragisch. Ich meine, dass die Menschen sollen auch die Moralgrenze haben. Aber ich meine, dass diese Situationen jeder für sich selbst richtig kommentieren kann.
Ich habe wirklich viel darüber nachgedacht, warum ich in der Schweiz als polnischer Pallottiner arbeiten konnte (dazu bin ich fähig), aber nicht als Mitbruder zur schweizerischen Provinz gehören konnte (dazu bin ich nicht fähig). Was bedeutet das?
Das heisst das gleiche wie wenn jemand sagen würde: "Wir brauchen keine jungen Mitbrüder, aber wir haben nichts gegen Gastarbeiter." Die Gastarbeiter kann man jederzeit wegschicken und muss dafür keine Verantwortung übernehmen. Das ist wirklich einfacher.
Das waren die zwei Argumente gegen mich. Im Dezember 2001 hörte ich von einem Mitbruder: "Versuch mal ein bisschen dümmer zu werden". Schade, aber das konnte ich nicht machen. Ich will kein Spiel. Ich schätze Menschen, die ehrlich sind mehr als jene, die nie anderen sagen können, was sie über sie denken.
Ich meine, dass die Schweizer Provinz nicht darauf bestehen sollte, dass die polnische Provinz in dieser Angelegenheit das letzte Wort hatte. Die Antwort der polnischen Provinz mich betreffend war nur die Reaktion darauf, dass die schweizerische Provinz keine konkreten Argumente anführen konnte. Das war eine typische Pilatusrolle.
Das sind die Umstände, die für mich ein bisschen komisch sind. Trotzdem habe ich versucht, meine Meinung objektiv zu schreiben. Wenn ich etwas nicht verstehen kann, dann schreibe ich offen, dass ich das nicht verstehe. Ich kann nicht sagen "Isch schon guet", wenn das nicht so ist. Vielleicht würde ich mit der Zeit die Situation anders beurteilen.
Wenn über meine Erlebnisse hier tiefere nachdenke dann kommt ehrlicherweise in mir die Frage auf wie hat meine Persönlichkeit auf meine Umgebung gewirkt? Diese Frage bleibt im Raum für mich unbeantwortet, ganz einfach deshalb, weil man mich in diesem Aspekt nie angesprochen hat. Schlussendlich bleibt die Frage offen: Warum bin ich hier gescheitert?