Artur Marek Wójtowicz

Kaspar

Der Name Kaspar

KASPER, der name Caspar, wie andere von den gewöhnlichsten namen zu appellativischer bedeutung erweitert; die bair. koseform Gapper bezeichnet auch einen läppischen menschen SCHMELLER 2, 59 (die form mit der merkwürdigen angleichung des s auch henneb., Käpper FROMM. 2, 77,L und nd., s. nachher); schweiz. Chasper, homo rudis FROMM. 2, 370b. Kaspar, Käsperle ist auch einer der vielen koboldnamen, s. myth. 1016, ein koboldartiges gespenst dieses namens bei E. MEIER schwäb. sagen 266. der schwarze Kaspar heiszt geradezu der teufel selbst, westf. swatte Kasper, auch Kratzkäp FROMM. 3, 372 (Käp wieder wie bair. Gapper):

ihr (der Jesuiten) herz, gemüth, all ihre glieder
sind Christo Jesu zuwider (das bekannte wortspiel),
von unten an bis auf den kopf
spürt man ein pharisäischen tropf,
von list, betrug verkehrt, verführt,
vom schwarzen Casper destilliert. 
         SCHEIBLES flieg. bl. 204; 

dem ländlein ob der Ense (im aufstand begriffen)
war gar nicht wol darbei ...
ihm traumt vom schwarzen Caspar,
legt nider sein gewehr. 
         OPEL und COHN, 30jähr. kr. 77. 

auch blosz der Kaspar, der teufel, schwäb. MEIER a. a. o. 187, Hans Kasper STÖBER elsäsz. volksb. 1, 95, bair. der Käsperl SCHM. 2, 338. dazu wol käspern, käsperln, necken, plagen das.; auch tirol.: da woll er trutzen mit dem Casper, der ihn so oft casperlt. ABRAH. A S. CLARA. schwäb. käsperlen ist einen 'hänseln', 'fürs Michele halten, zum Hans machen' SCHMID 306, offenbar 'zum Käsperle machen', als 'dummen teufel' behandeln? eine betheuerung sagt: wenn nicht ... so will ich mein leben lang Hans Kasper heiszen. BÜRGER 464b. schweiz. kaspern ist inconsulte, praecipitanter agere FROMM. 2, 370b, auch 'hümpeln' STALDER 2, 91, hinken wie der teufel? wieder anders schles. kaschpern mit einer, liebkosen (gewöhnlich obscön) WEINHOLD 41b; in Leipzig gaschpern, schön thun, schmeicheln, wie bair. einem kasperschmalz anstreichen (vgl. affenschmalz BRANT narrensch.

SCHM. 2, 338. 3, 679. auch in Österreich musz Kasperle von länger her ein läppischer mensch, närrischer kerl sein (kärnt. so Gaschper, Gaschperle, auch ein 'schuseriger', fahriger mensch, dazu gaschpern sich läppisch betragen LEXER 156), denn Laroche in Wien nahm im vorigen jh. den namen für seine erneuerung des alten hanswurst (wie vorhin Hans und Caspar als gleichbed. erschienen), daher kasperletheater noch jetzt puppentheater (auch in Sachsen), weil Kasperle unter den puppen der hanswurst ist; böhm. 'Kašpar, Kasperle, Pickelhäring'. Auch ein seltsames adj. kaschbernât musz hieher gehören, schles. bedeutet es böse, erzürnt: das macht mich manchesmal ganz kaschbernat. HOLTEI Lammfell 5, 15; ebenso in Leipzig, mit drolligem anklang, in Thüringen aber wählig, ekel, bei tische 'sei nicht so gaschbernat'. in Posen heiszt es kaschprat und bedeutet aufgebracht, zornig BERND 370, ebenso ditm. kasprat, altmärkisch kasperat (ärgerlich), götting. kaspernätsch. es ist wol, ursprünglich in gelehrtem schulwitz, dem desperat nachgemacht, das im volke ganz eingewurzelt ist.

Wie rüpel, schwarzer oder grober kerl, vom knecht Ruprecht entsprang, so ähnlich dieses. denn Caspar hiesz von jeher im mittelalter einer von den heiligen drei königen (z. b. WOLFRAM Wh. 307, 8), die in den mysterien, den dreikönigsspielen und sonst dem volke jährlich vor augen traten. später, etwa seit dem 15. jh., erhielten sie ihren theil an dem drolligen was sich der spiele bemächtigte, einer der drei, Caspar, Melchior, Balthasar (vgl. balzer), trat nachher als mohr auf mit geschwärztem gesicht, eben Caspar der zugleich den wortführer macht, er erhielt den schein einer lustigen person. so in einem schwäbischen pfingstspiel, pfingstritt, bei E. MEIER sagen, sitten und gebräuche s. 413, und bei PRÖHLE volksl. und volksschauspiele s. 249. 260 der mohrenkönig, dem freilich da der name Caspar abgeht; vgl. in GÖTHES gedicht epiphanias die fünfte strophe. noch im anfang unsres jh. waren die drei könige mit dem schwarzen darunter fast allgemein wolbekannt, durch die knaben die als sterndreher, sternsinger zwischen weihnacht und dreikönigstag bettelnd herumzogen, sie gaben sich oft als kinder kaiser Karls aus; s. MEIER a. a. o. 471. 408. H. HOFFMANN hor. belg. 2, 69 ff., gesch. des d. kirchenl. 441 ff. wunderh. 3, 387. DITFURTH fränk. volkslieder 1, 8, an letzterm ort nennt sich der mohrenkönig: ich bin der schwarz Kasper aus mohrenland. in einem deutschen weihnachtsspiel aus Ungarn Weimar. jahrb. 3, 411 ist jedoch Baltzer der schwarze könig, wie Garg. 212b (396 Sch.); in Tirol sind alle drei schwarz, aber könig Kaspar aus mohrenland der wortführer, zeitschr. f. myth. 2, 362. von ihm und zwar vielleicht schon früh, von der bühne herab wie vieles andere, kam wol der 'schwarze Kaspar' oben, die teufel selbst wurden ja auch dann zu den gehänselten narren auf der bühne; das humpeln und das zürnen wäre von der lustigen person auf der bühne wol ableitbar, auch das schön thun, wie ein volkswort in Leipzig schampetasche, schmeichlerisch gewandt, vom Jean Potage herrührt, einem hanswurst der bühne des 17. jh., der hanswurst war auch schmeichelnder schmarotzer. eben wenn einer vom andern etwas erbitten will und ihm schmeichelnd um den bart geht, heiszt es in Leipzig 'da kann er einmal gaschpern!'; kaspern einem mit flehentlichen bitten zusetzen, wozu bereden KINDLEBEN studentenlex. (Halle 1781) 117. Wie tief das alles ins volksleben eingewachsen ist, zeigt diesz dasz sogar ein vogel, die schwarze wasserstelze, eine motacilla der schwarze Kasper heiszt, gewiss von ihrem fahrigen, drolligen wesen; auch der wachtelkönig, die ralle, rallus crex führt den namen Kasper.


Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. 16 Bde. [in 32 Teilbänden]. Leipzig: S. Hirzel 1854-1960. -- Quellenverzeichnis 1971.


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